Schöne Quälerei

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Ich betrete den verspiegelten Raum. Bis jetzt hatte ich mich darauf gefreut, aber ich habe noch keine Ahnung, was mich gleich erwartet. Total verunsichert stehe ich da und weiß nicht so recht, was ich machen soll. Außer mir sind noch zwei weitere Frauen da. Die Trainerin, die bereits ihr Headset trägt, und eine weitere Kursteilnehmerin. Beide schnappen sich eines der kleinen Trampoline, die in der Ecke stehen, also mache ich das auch. Nach und nach füllt sich der Raum und alle machen sich wie selbstverständlich startklar. Bin ich etwa die einzige, die das hier zum ersten Mal macht? Oh Mann, ich blamiere mich bestimmt!! Die Trainerin steigt auf ihr Podest und begrüßt die Gruppe. Bevor sie beginnt, möchte sie wissen wer zum ersten Mal dabei ist. Zögernd hebe ich den Arm und schaue mich um. Yes! Noch vier weitere Neulinge! Jetzt fühle ich mich schon viel besser. Also los!

Die Musik dröhnt aus den Boxen und wir beginnen mit einigen leichten Übungen um warm zu werden. Zum Glück auch erst mal noch auf dem sicheren Boden. Etwas auf der Stelle marschieren, Steps nach links und rechts, auf den Rand des Trampolins – immer genau im Takt der Musik. Klappt ja bisher ganz gut! Schließlich geht’s jetzt auch auf das Sportgerät, mit dem ich in meiner Kindheit immer riesigen Spaß hatte. Aber von wegen ein bisschen darauf rumspringen! Weiter marschieren! Die Knie dabei immer ordentlich hochziehen, aber nicht an Geschwindigkeit verlieren! Eines steht jetzt schon fest: Das werden verdammt lange 45 Minuten…

Tanja_Jump_Kurs

Der Basicjump besteht aus festen, schnell aufeinander folgenden Sprüngen. Mit geschlossenen Beinen auf dem federnden Untergrund. Natürlich immer passend zum erbarmungslos hämmernden Takt der Musik. Es zehrt immer mehr an meinen Kräften die Geschwindigkeit zu halten.

Abwechselnd werden verschiedene Schrittkombinationen und Übungen wiederholt. Sidesteps, Knielifts, Basikjump, Marsch… Zwischendurch schickt uns die Trainerin von unserem Folterinstrument um schnell etwas zu trinken, dann geht’s aber auch direkt wieder weiter.

Ich merke wie mir die Puste ausgeht und ich die Geschwindigkeit nicht mehr halten kann. Mein Kopf schreit „Schneller! Na los doch! Gib jetzt Gas!!“ Aber bei meinen Beinen scheint das schon gar nicht mehr anzukommen. Als würden sie tun was sie wollen und nicht was ich will. Davon wieder verunsichert werfe ich eine Blick in die Spiegel an den Wänden und stelle erleichtert fest, dass ich nicht die einzige bin, die das Programm nicht perfekt beherrscht.

Jetzt versuche ich nicht mehr alles so schnell wie möglich zu machen, sondern mein eigenes Tempo zu finden. Vielleicht bin ich nicht so schnell wie die Trainerin, aber ich führe die Übungen sauber durch.

Meine Beine sind schwer, meine Lunge brennt und mir ist so heiß, dass ich das Gefühl habe, von innen heraus zu verglühen. Aber irgendwie macht es einfach Spaß! Ja genau. Ich quäle mich hier selbst, aber es macht mir richtig Spaß!

Ich weiß, dass ich hier gerade etwas für meine Körper und meine Fitness mache. Wahrscheinlich habe ich morgen Muskelkater wie sonst noch was, aber was soll’s. Außerdem weiß ich, dass ich hier nicht unbedingt perfekt sein muss. Das wichtigste ist, dass ich da bin und mitmache so gut ich kann. Vor allem aber muss ich zwischendurch über mich selbst lachen, wenn ich es mal wieder nicht schaffe, den Takt zu treffen oder wenn die Koordination meiner Arme und Beine vor lauter Erschöpfung einfach nicht mehr funktionieren will.

Zum Abschluss des Kurses machen wir noch Bauchmuskelübungen. Darauf habe ich eigentlich gar keine Lust mehr. Ich möchte mich auf dieses Trampolin werfen und einfach nur noch tot stellen! Aber die Trainerin schafft es mit zwei simplen Sätzen meine letzte Willenskraft wieder aufblühen zu lassen: „Na los Mädels, Endspurt! Ihr habt es gleich geschafft!“. Okay, ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen. Normale Situps, zur Seite und noch eine Runde Rudern. Schließlich dreht die Trainerin die Musik leiser und bedankt sich bei allen Teilnehmern.

Völlig geschafft sitze ich auf dem Rand meines Trampolins und sauge die letzten Tröpfchen Wasser aus meiner Trinkflasche. Während die anderen bereits aufräumen und den Raum verlassen, gönne ich mir noch diese kurze Verschnaufpause. Ich bin wirklich absolut am Ende, aber ich kann spüren, dass mein Puls langsamer wird und ich nicht mehr nach Luft schnappe als wäre ich am ersticken. Dann macht sich ein anderes Gefühl in mir breit –  Zufriedenheit. Ich habe gerade meinen ersten Fitnesskurs überlebt und ich habe mich auch ganz gut angestellt.

Meine Beine fühlen sind immer noch so schwer an als würde ich Betonschuhe tragen. Nichtsdestotrotz laufe ich mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

Tanja

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