Perfektionierungszauber für Fortgeschrittene, Band 1

Neulich war ich auf der Harry Potter Ausstellung in Köln, die original Filmsets und Gegenstände aus allen Harry Potter Filmen zeigt. Wie ich da durch die Ansammlung von Zauberstäben, Umhängen und Besen ging, merkte ich, wie neidisch ich auf die Charaktere war, weil sie so erfolgreich sind und ganz nebenbei auch noch zaubern können. Aber ist das wirklich so, dass alle es nur gut haben in den Filmen bzw. den Büchern?

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Wenn man aufmerksam Harry Potter liest, dann fällt einem auf, dass das keineswegs so ist. In keinem der Bücher findet man perfekte Charaktere. Neville ist zwar der Vollidiot des Harry-Potter-Universums, hätte aber genauso gut der „Chosen One“ sein können und spielt darüber hinaus eine wichtige Rolle im Kampf gegen ihr-wisst-schon-wen. Hermine ist überaus intelligent, aber dafür sozial ziemlich inkompatibel und hat riesige Hasenzähne. Harry ist zwar die Hauptperson der ganzen Saga, hat aber so ziemlich das abgefuckteste Leben, das man sich vorstellen kann. Aber davon mal abgesehen: Nicht mal Malfoy ist einfach nur böse, ganz zu schweigen von Snape.
Aber woher kommt diese Liebe zum ‚Loser‘ von Joanne K. Rowling? Vermutlich wurzelt sie in ihren eigenen Ansichten, was einen Menschen ausmacht. JKR will deutlich machen, dass es nicht darauf ankommt, wie jemand aussieht oder wie er/sie wirkt, sondern, wie es mit den inneren Werten aussieht. Vor allem aus diesem Grund hat JKR alle Charaktere so designt, dass sie weit entfernt von „perfekt“ sind.
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Vermutlich werden sich jetzt viele von euch denken: „Nicht perfekt? Was ist dann bitte mit Emma Watson? Sie sieht super aus und spielt die schlauste Hexe im Film, was ist daran schlecht?!“ Auf Fragen wie diese hat JKR einmal sehr deutlich in einem Interview geantwortet. Sie sagte, dass sie erst nur mit Emma telefoniert hat und sie von ihrer ganzen Art her perfekt für die Rolle fand, dass sie aber, als sie Emma dann sah, gedacht hat, dass sie viel zu hübsch sei. Denn eigentlich wollte sie, dass Hermine lediglich durch ihre inneren Qualitäten besticht.
Dass JKR innere Werte sehr hoch schätzt kann man auch sehr gut in einem Zitat von ihr erkennen:
„I’ve got two daughters who will have to make their way in this skinny-obsessed world, and it worries me, because I don’t want them to be empty-headed, self-obsessed, emaciated clones; I’d rather they were independent, interesting, idealistic, kind, opinionated, original, funny – a thousand things, before ‘thin’.“
Das ganze fantastische Zitat findet ihr hier

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Was lernen wir daraus? Wir sollten uns eine Scheibe von JKR abschneiden und ein bisschen mehr so denken, denn dann hätten wir alle es ein bisschen leichter, uns selbst und unsere Mitmenschen zu lieben. Ganz nebenbei ist die Ausstellung einfach genial 😀 
Dominik
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