Die 24 Stunden Diät – Protokoll eines Höllentrips

Selbstliebe ist ja eine super Sache: Es gehört eine ganze Menge dazu, sich so anzunehmen wie man ist, besonders wenn man optisch vielleicht nicht gerade dem „durchschnittlichen“ Victoria Secret Model gleicht. Sollte man jedoch merken, dass das Übergewicht ungesunde Ausmaße annimmt (mögliche Anzeichen können unter einem zusammenbrechende Möbelstücke oder Klamotten in der Größe eines 5-Personen-Zelts sein – allerdings auch so profane Dinge wie Kurzatmigkeit oder Schmerzen in den Knien nach längerer Beanspruchung), sollte man vielleicht Maßnahmen in Betracht ziehen. Damit Ihr merkt, dass wir nicht einfach nur Wasser predigen und Wein trinken: Selbstliebe heißt ja nicht, dass man die Gegebenheiten einfach so hinnimmt, sondern auch versucht, das Beste, sowohl gesundheitlich als auch optisch, aus ihnen zu machen.

Jeder, der schon mal mit seinem Gewicht gekämpft hat, kennt sie vermutlich: die ewige Achterbahn des Gewichts. Mal geht es rasant runter, dann ebenso schnell wieder rauf auf der Skala. Dazu taucht alle paar Monate aus dem Nichts ein neuer Diättrend auf und verspricht „eine neue Runde, eine neue Waaaaahnsinnsfahrt…“.

In meiner ersten Challenge beschäftige ich mich mit einem Phänomen, welches einen besonders rasanten Trip verspricht und das sogar angeblich ohne (!) Jojo-Effekt: die 24 Stunden Diät von Achim Sam. 24 Stunden Diät? Allein bei diesem Namen werden bei den meisten Diäterprobten wohl die Alarmglocken schrillen. Das scheint ja geradezu nach dem Effekt, benannt nach einem „Spielzeug, welches aus zwei durch einen Mittelsteg miteinander verbundenen Scheiben besteht“ und an dessen „Mittelsteg […] eine Schnur befestigt und aufgewickelt“ (Quelle: Wikipedia), zu schreien. Mit ziemlich allen Diät-Wassern gewaschen, kann ich diesen Namen einfach nicht mehr hören, denn ich befinde mich auf der schon Jahre andauernden Suche nach dem heiligen Gral, der Diät, die ohne den Jojo-Effekt auskommt. Nun schickt sich die 24 Stunden Diät an, ein solches One-Way-Ticket zu sein, und nur durch 24 Stunden Qual pro Woche zu bis zu zwei Kilo Gewichtsverlust zu führen. Ob es sich hier nur um leere Worte handelt oder nicht, hab ich für Euch im selbstlosen Selbstversuch getestet 😉

Zur Diät: Entwickelt wurde die 24 Stunden Diät von Dipl. oec. troph. Achim Sam und Prof. Dr. Michael Hamm (Vorsicht, geballte Expertise!). Die Diät zielt darauf ab, durch gezielte Sporteinheiten in Kombination mit der richtigen, möglichst eiweißhaltigen Ernährung, eine maximale Fettverbrennung innerhalb von 24 Stunden zu erreichen.

Das Buch: Im Begleitbuch, das einem persönlichen Fotoalbum von Achim Sam verdächtig ähnlich sieht, findet man sowohl Essens-, als auch Sportpläne für jedermann, von Couchpotato bis Sportfetischist, und beispielhafte Tagesabläufe, um es dem Anfänger so einfach wie möglich zu machen. Auf jeder zweiten Seite befinden sich Fotos von Achim Sam. Darüber hinaus könnte das Buch auch „Ernährungswissenschaften für Dummies“ heißen, da es überwiegend mit Allgemeinwissen aufwartet. Hatte ich schon die Fotos von Achim Sam erwähnt? Nichtsdestotrotz wird einem der Anfang ziemlich erleichtert und das Buch ist auch super, um sein vielleicht nicht mehr ganz vorhandenes Wissen in Ernährungswissenschaft wieder aufzufrischen.

Der Vorbereitungstag: Morgens und mittags wird ganz normal gessen, abends dann eiweißreich. In meinem Fall bedeutete dies eine schmackhafte Tomatensuppe, die ich mir allerdings hart erarbeiten musste: Vor dem Abendessen stand nämlich die erste Sportetappe an. Im Buch vorgeschlagen wurden joggen, schwimmen, crosstrainern oder Fahrrad fahren. Je nach Sportlichkeitsgrad werden verschieden lange Zeiträume vorgegeben. Ich entschied mich für den guten alten Crosstrainer und durfte mich 45 Minuten (Ultra-Anfänger) durch verschiedene Intensitäten quälen. Das Training war anstrengend und ich bin gut ins Schwitzen gekommen, aber ich habe durchgehalten.

Der Diät-Tag: Zuerst ging es auf die Waage. Diese zeigte schon mal ein halbes Kilo Differenz an, was ich als gutes Zeichen wertete. Der eigentliche Diät-Tag beginnt dann, wer hätte das gedacht, mal wieder mit Eiweiß. Ich war ernsthaft erstaunt darüber, was für ein Berg Rührei mit Schinken auf meinem Teller landete. Dieser war allerdings auch bitter nötig angesichts der anstehenden 90 minütigen Fahrradtour.
Nachdem ich diese mehr schlecht als recht hinter mich gebracht hatte (die Intervalle sind nicht immer ganz einzuhalten, wenn man alle 5 Minuten wegen Ampeln etc. anhalten muss), beschloss ich, mich ein Viertelstündchen auf’s Ohr zu hauen. Daraus wurden letzendlich vier Stunden, in denen ich auf dem Bett lag und mich Übelkeit plagte. Normalerweise neige ich gar nicht zu sowas, aber die Diät forderte anscheinend morgens schon ihren Tribut. Ein Gefühl von Mattigkeit und leichter Schwindel seien ganz im Sinne der Erfinder, denn sie seien Indikatoren für die Wirksamkeit der Diät. Mir war allerdings so schlecht, dass ich gefühlt 20 Kilo hätte abnehmen müssen und ich erst um vier zu Mittag essen konnte. Das „Mittag“essen bestand letztendlich aus diversem im Ofen gebackenen Gemüse und selbstgemachtem Hummus. Lecker!

Vor dem Abendessen kam dann die bereits erwartete Fressattacke, die ich allerdings durch das Zusammenkratzen meiner ganzen Selbstdisziplin abwenden konnte und mit 2 Litern Wasser wortwörtlich runterschluckte. Als dann endlich das Abendessen anstand, war ich wieder selig: ein griechischer Salat mit in Pesto mariniertem Feta. Nun, über die Rezepte will ich mich, abgesehen davon, dass sie manchmal etwas extravagant sind, nicht beschweren.

Der Tag danach. Als ich mich morgens schließlich auf die Waage stellte, fielen mir fast die Augen raus: 3 (In Worten DREI) Kilo weniger! Ich war begeistert und die Schrecken des letzten Tages so gut wie vergessen.

Fazit: Ich bin sehr kritisch an diese Diät rangegangen, da ich von Crashdiäten normalerweise gar nichts halte, aber ihr Abnehmversprechen konnte sie halten und es ist nicht so, als wäre man während des Lesens des Buches nicht mehrfach gewarnt worden, dass er hart werden würde… (Immer mal wieder zwischen den vielen Fotos von Achim Sam). Wie schnell und ob diese drei Kilo wieder auf meinen Hüften landen, zeigt natürlich die Zeit. Fakt ist, bei mir hat es letztendlich nicht lange gedauert, aber das war wahrscheinlich meinem exzessiven Umgang mit Schokolade zu diesem Zeitpunkt zu verschulden (Hey, es war Klausurenphase!). Prinzipiell hat mich die Diät positiv überrascht, sowohl durch die Rezepte und Pläne als auch durch ihre Wirksamkeit. Allerdings erfordert sie ein hohes Maß an Disziplin, Zeit für die Sporteinheiten und, im Optimalfall, einen Faible für Fleisch, Eier und sonstige eiweißhaltigen Produkte. Hätte ich diese Diät dauerhaft machen sollen, wäre das wahrscheinlich in einem Massaker geendet, da ich ohne meine geliebten Kohlenhydrate nicht gut kann. Also für mich kein Ersatz für die gute, alte Ernährungsumstellung, aber wenn man schnell ein paar Kilos verlieren möchte, vielleicht eine gute Alternative. Die 24 Stunden Diät ist also auf dem Jahrmarkt der Diäten ein sehr rasanter Spaß. Kotztüten sollten sich allerdings in der Nähe befinden, wenn es wieder heißt „Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt!“

Karina

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